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Forschungsreferat und Stipendiatenbetreuung - Stipendiaten


Dr. Sebastian Karnatz

Vita

2000-2006 Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Regensburg (Magisterarbeit: „Hier wird zur einzigen Quelle die innere Notwendigkeit.“ Zu Wassily Kandinskys „Über Bühnenkomposition“), von 2004-2010 Stipendiat der Grund- und anschließend der Graduiertenförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung, seit 2007 Redakteur und Rezensent bei TITEL. Das Kulturmagazin (www.titel-magazin.de), 2010 nominiert für den Grimme Online Award, 2007-2010 Lehrbeauftragter und Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Germanistik (Ältere Deutsche Literaturwissenschaft) und am Institut für Kunstgeschichte der Universität Regensburg, 2011 Promotion zum Dr. phil. mit der Arbeit „Eine Szene im Theater der Unendlichkeit. Max Beckmanns Dramen und ihre Bedeutung für seine Bildrhetorik“, seit 2011 Volontär der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen als Stipendiat der Vera und Volker Doppelfeld Stiftung für Wissenschaft und Kultur (Ausstellungsprojekt: „Ritter, Recken, edle Frauen. Burg Prunn und das Nibelungenlied“).


Forschungsprojekt

Die Nibelungen und ihre Bilder. Zur pikturalen Rezeption und Transformation des Nibelungenlieds im 19. und 20. Jahrhundert

Kaum eine Dichtung des Mittelalters hat in den letzten zwei Jahrhunderten eine vergleichbare Rezeption erfahren wie das wohl um 1200 in Passau entstandene Nibelungenlied. Der komplexe Stoff um Liebe, Mord und Rache wurde seit seiner Wiederentdeckung im späten 18. Jahrhundert zum Ausgangspunkt einer vielgestaltigen pikturalen Rezeptionsgeschichte, die u.a. mit den Namen Peter Cornelius, Julius Schnorr von Carolsfeld, Fritz Lang, Ernst Barlach und Anselm Kiefer verknüpft ist. Die Beschreibung der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Medien – visuelle Medien und Literatur – ist Aufgabe dieser motivgeschichtlich orientierten kunsthistorischen Forschungsarbeit.

Anhand ausgewählter Bildanalysen soll die spezifische Entwicklung des Nibelungenstoffes hin zu einem festen Bestandteil der deutschen Mythologie – mit all ihren Brüchen und Aporien – aufgezeigt werden. Dass sich diese Arbeit notwendigerweise interdisziplinär an den Schnittstellen von Kunst- und Literaturwissenschaft bewegt, versteht sich von selbst. Desweiteren müssen aber auch medienwissenschaftliche, musikhistorische – Richard Wagners mythologische Aneignung der Nibelungen bleibt sicherlich die wirkungsmächtigste Bearbeitung des 19. Jahrhunderts – und kulturwissenschaftliche Untersuchungen mit in das Projekt einbezogen werden, das sich dem Thema methodisch offen und in exemplarischen Einzelanalysen nähern will.

Eine derartige Arbeit, die methodisch nicht zuletzt auf den ästhetischen Mnemosyne-Paradigmen Aby Warburgs und den Theoremen rund um den Begriff des kulturellen Gedächtnisses fußt, ist ohne Zweifel ein Desiderat der kunsthistorischen Forschung. Dass eine derartige Aufarbeitung bislang weitestgehend fehlt, scheint nicht zuletzt der schwierigen ideologischen Aufladung des Themas zuzuschreiben zu sein.

Über die motivgeschichtliche Untersuchung hinaus bietet das Thema vielfältige Anknüpfungspunkte an den vor allem in der literaturwissenschaftlichen und kunsthistorischen Mediävistik geführten Forschungsdiskurs zum Thema Illustration bzw. Bild-Text-Relation. Die historisch fundierte Besprechung von Kontinuität und Wandel der visuellen Umsetzung eines literarischen Textes verspricht hier weitere Einsichten in einen komplexen polyvalenten medialen Zusammenhang, der nicht auf die Stufe einer banalen Textabhängigkeit der Illustration reduziert werden kann. Es kann hier im Gegenteil gezeigt werden, wie die künstlerische Rezeption eines mittelalterlichen Textes zur produktiven – in diesem Fall gesellschaftlich verheerenden – Umdeutung seiner Semantik führt.


Publikationen

Monographien:
Eine Szene im Theater der Unendlichkeit. Max Beckmanns Dramen und ihre Bedeutung für seine Bildrhetorik, Göttingen 2011.

Aufsätze und Katalogbeiträge:
Wassily Kandinsky und die Anarchie der Künste, in: Literatur und Anarchie. Das Streben nach Herrschaftsfreiheit in der europäischen Literatur vom 19. bis ins 21. Jahrhundert (= DISKURSIVITÄTEN, Bd. 15), hrsg. von Rainer Barbey und Heribert Tommek, Heidelberg 2012, S. 105-120.  

Ein sentimentalischer Künstler im Kopfstand. Kopfüber als ästhetisches Programm, in: Ausst.kat., Kunst- und Gewerbeverein, Regensburg: Jörg Traeger als Maler, hrsg. von Klaus Caspers, Albert Dietl, Hans-Christoph Dittscheid und Reiner R. Schmidt, Regensburg 2012 , S. 51-55.  

Napoleon – Krieg und Kult als Teil der bayerischen Erinnerungskultur, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. 150. Band (2010), Kallmünz 2011, 175-202.  

Das Leben der Heiligen, in: Himmel und Erde in Schwarzweiß. Meisterwerke der Druckgraphik von Dürer bis Schongauer aus der Sammlung Dachs, hrsg. von den Museen der Stadt Regensburg, Regensburg 2011, S. 66-67  

Profanes für die Allgemeinheit, in: Himmel und Erde in Schwarzweiß. Meisterwerke der Druckgraphik von Dürer bis Schongauer aus der Sammlung Dachs, hrsg. von den Museen der Stadt Regensburg, Regensburg 2011, S. 102-105.  

Abstraktion, Negation, Synthese. Kunst und Politik in der Künstlertheorie des frühen 20. Jahrhunderts, in: Ausst.kat., Haus am Lützowplatz, Berlin: Eine Art Aufruhr. Aktuelle Kunst in Position zu Politik, Bonn 2011 , S. 12-20.  

Vanitas Mundi. Versuch über den ungezogenen Narren, in: FORUM. Zeitschrift der Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1/2009, Bonn 2009, S. 8-11.  

Das Ende der Malerei. Strategien zur Rückeroberung der mimetischen Funktion in der Malerei des 20. Jahrhunderts, in: Medienentwicklungen – Medienphänomene. Situationsbeschreibungen, Analysen und Zukunftsperspektiven aus interdisziplinärer Sicht, hrsg. von Andrea König und Alev Inan, München 2008, S. 179-197. 

Rezensionen (Auswahl):
Mit beherztem Einsatz für die Kunst, Roma Quanta Fuit. Beiträge zur Architektur-, Kunst- und Kulturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Festschrift für Hans-Christoph Dittscheid zum 60. Geburtstag, hrsg. von Albert Dietl u.a., www.titel-magazin.de, 2011.  

Sagen-haft, Joachim Heinzle: Die Nibelungen, www.titel-magazin.de, 2010.  

Das Recht der Bilder betrachtet zu werden, Uwe Schneede: Max Beckmann. Der Maler seiner Zeit, www.titel-magazin.de, 2010.    

Wie das Bild Wissen schafft, W.J.T. Mitchell: Bildtheorie, www.titel-magazin.de, 2008.


 

Kontakt über Dr. Iris Lauterbach

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Letzte Änderung: 30.01.2012